TASCHENGELDKINO 2011/2012

Zertifkatsvergabe an die Filmlehrer der Qualifizierung TASCHENGELDKINO 2011/2012

Wolfenbüttel, März 2012

„Darauf, dass Film und Kino in der Schule thematisiert werden, warte ich schon seit 40 Jahren.“ Nicht nur für Hardy Klinger, Teilnehmer von TASCHENGELDKINO 2011/2012, hatte das Warten ein Ende, als er zusammen mit 17 weiteren Lehrerinnen und Lehrern im März 2011 die Qualifizierungsmaßnahme startete.

Nun - nach fast genau einem Jahr - haben die Filmlehrer die sieben Arbeitsphasen erfolgreich durchlaufen und halten ihre Zertifikate in den Händen. Wir gratulieren!

Das Filmemachen und Filmesehen in den Unterricht zu integrieren, ist keine Frage mehr des ob, sondern des wie. Und da verhält es sich an vielen Schulen wie in einer Traumfabrik: es muss nach neuen Wegen gesucht werden Unterricht zu gestalten, sowohl inhaltlich als auch organisatorisch. Das grenzt manchmal an Zauberei, Stimmen im Lehrerzimmer sagen vielleicht sogar, das sei illusorisch, 18 Lehrerinnen und Lehrer haben sich auf den Weg gemacht, diese Illusion Wirklichkeit werden zu lassen – aus den unterschiedlichsten Gründen:

Entschleunigung heißt es am Wilhelm-Busch-Gymnasium in Stadthagen. Wenn die Auseinandersetzung mit Gedichten über das bewegte Bild vollzogen wird, werden nicht nur Fächergrenzen aufgedeckt, sondern auch der schnellen und oberflächlichen Wahrnehmung von Filmbildern eine bewusste dagegen gesetzt. Da wird das Großprojekt ‚Film’ im Literaturkurs des Gymnasiums Vogelsang in Solingen zur Herausforderung aller Beteiligten. „Schüler müssen lernen durch die Kamera zu denken.“ Das fiel den 6. Klässlern an der IGS Langenhangen nicht immer leicht, doch wenn in ihren Trickfilmen die Sonne mal rechts und mal links im Bild schien, ging auch ihnen ein Licht auf.

Filmen im Unterricht heißt auch nach neuen Wegen in der Unterrichtsgestaltung, sowohl inhaltlich als auch organisatorisch zu suchen.  Am Albert-Einstein-Gymnasium in Laatzen ist die Rollenverteilung klar geregelt, so liegt die Produktionsleitung – wie sich vermuten ließe – nicht beim Lehrer, sondern bei Schülerinnen der Filmcrew; eine geschlossene Facebook-Gruppe sorgt für die notwendige Kommunikationsplattform über die Planungstreffen in der Schule hinaus.

„Es behagte mir nicht, etwas zu unterrichten, von dem ich nichts verstand.“ So hat Natalie Eckert das Grundproblem aller Lehrer sehr passend formuliert. Learning by doing birgt Unzufriedenheiten mit sich und der Situation, aber auch Chancen mit den Schülern Konzepte zu erarbeiten und sich auszuprobieren. Es ist diese Unsicherheit bezüglich der eigenen Kompetenz und nicht das Nicht-Wollen, die es Lehrerinnen und Lehrern in ihren Schulen so schwer macht, sich trotz der Vorgaben in den Lehrplänen dem Thema ‚Filmisches Erzählen’ zu stellen. Wir versuchen mit dieser Qualifizierung diese fachliche Lücke ein klein wenig zu schließen. Die Dozenten geben ihr fachspezifisches Wissen preis, haben Tipps und Tricks parat und lenken den Blick auf das Wesentliche, dass es so manches mal weh tut.

In der technischen Ausstattung der Schulen jedoch zeigt sich, wo im Laufe der nächsten Jahre Stück für Stück Aufbauarbeit geleistet werden muss. Dass das Equipment gar nicht komplex und vom Profi sein muss, hat Holger Tegeler von der Graf-Friedrich-Schule in Diepholz für sich festgehalten: Sein Filmprojekt hat das Ziel, den Faktoren Zeitmangel, Geldmangel, Technikmangel Rechnung zu tragen und dennoch „nachweislich motivierend und lehrreich“ zu sein. Dabei geht es ihm nicht um ein „Traumfilmprojekt“, die einmalige Lebenserfahrung, sondern um die Herausforderung Filmprojekte im Regelunterricht zu realisieren und zu zeigen, was tatsächlich machbar ist. Das heißt – „Erfahrungsaufbau und Selbsttest“.

Kompetente Partner der Quaiifizierungsmaßnahme sind das Niedersächische Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung, das Bundesweite Schülerfilm- und Videozentrum e.V. sowie die Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel.


"Man muss nur denken können."

Wolfenbüttel, März 2012

So einfach wie diese Feststellung klingt so viel Potenzial steckt auch in ihr. Das Herzstück des Filmemachens, der Schnitt, war das Thema des letzten Seminars der Qualifizierung TASCHENGELDKINO 2011/2012. Juliane Dummler, Cutterin aus Berlin, legte dabei ein rasantes Tempo vor. Nach einer Einführung in die Historie der Montageverfahren lag der Fokus auf der Frage 'Was die Montage zu leisten vermag?'. Brauche ich diesen oder jenen Schnitt? Wie schaffe ich es den Zuschauer für den Film zu interessieren? Welche Sinnbeziehung, Handlungsorganisationen und rhythmische Ordnungen lassen sich durch die Platzierung der einzelnen Einstellungen erreichen? Deutlich wurde: hier geht es nicht um Technik, um die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten eines Schnittprogramms, sondern um die endgültige Dramaturgie des Films. So sieht sich Juliane Dummler auch nicht als Cutterin, sondern als Dramaturgin im weitesten Sinn. Dabei folgte sie ihrem eigenen ästethischen Anspruch an das Filmemachen als Kunstform und spickte ihre Ausführungen mit Auszügen ausgewählter Filmklassiker. Doch neben der analytisch-rezeptiven Vermittlung des Themas stand auch die praktische Übung. Die schwierige Aufgabe der 'Schnitts in der Kamera' hatten die Teilnehmer ebenso zu bewältigen wie das Montieren einer Szene anhand vorgegebenen Rohmaterials. Welche Geschichte will ich erzählen? - Eine Frage, die sich nicht nur in der Drehbuchwerkstatt, nicht nur in der Kameraführung, sondern sich im hohen Maße bei der Montage der Bilder stellt und hier eine endgültige und konsequente Antwort verlangt. "Zeit geben für das Nichts.", war eine Maßgabe für einen gelungenen Schnitt, die Juliane Dummler den Teilnehmern mit auf den Weg gab. Gern hätten wir ihr mehr Zeit gegeben.


Eine Schule des Sehens

Wolfenbüttel, Februar 2012

Lichter, Lampen, Leuchten - Das Foyer der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel strotze nur so vor Equipment. Martin Bourgund, Oberbeleuchter aus Frankfurt hatte alle erdenkliche Lichtausrüstung mitgebracht. Die Teilnehmer von TASCHENGELDKINO 2011/2012 hatten die Chance sowohl Profitechnik auszuprobieren als auch mit ganz einfachen Mitteln zu experimentieren. Da steht die Baulampe neben der klassischen Studiolampe, die Rettungsdecke neben dem Reflektor. Klemme über Klemme, Gelenkarm und C-Stative sowie Folien aller Art und Stärke wurden genutzt, um Lichtstimmungen zu erzeugen, Reflexe und Schatten zu mildern oder bewusst aufzubauen. Hartes Licht wurde weichem gegenübergestellt und Kunst- und Tageslicht simuliert. Im Zentrum der Ausleuchtung stand dabei der Mensch. Wie kann ich mit nur einer einzigen Lampe unterschiedlichste Atmosphären schaffen? Was ist die klassische Dreipunktausleuchtung? Doch auch Kniffe und Tricks kamen nicht zu kurz: Wie zeichne ich Feuer oder Wasser auf ein Gesicht oder eine Wand? Wie erzeuge ich die Illusion eines Fensters? Die größte Herausforderung aber war das Lichtsetzen für einer Dialogszene im Raum. Die Veränderung des Lichts einer sich bewegenden Figur im Raum musste ebenso mitbedacht werden, wie die Gestaltung des Raumes durch Licht und Schatten. Martin Bourgunds unablässige Aufforderungen 'zu sehen', regte alle Beteiligten an, genau hinzuschauen und ihren differenzierten Blick zu schulen.


"Als Autor fasst du immer auf die heiße Herdplatte."

Wolfenbüttel, Dezember 2011

Das heiße Herdplatten schmerzhaft sein können, weiß jeder; doch wie schmerzhaft das Schreiben von Drehbüchern sein kann, bekamen die Teilnehmer von TASCHENGELDKINO 2011/2012 reichlich zu spüren. Marc Meyer, Drehbuchautor aus Berlin, hat beim fünften Seminar tief in die brennende Schreibwunde gefasst. Sein Vermittlungsansatz wollte den Kern des Dramatischen treffen: Wo Schmerz ist, ist Drama. Anhand einer eigenen Idee arbeiteten die Teilnehmer einen Konflikt heraus und schärften diesen mit Marc Meyers Hilfe weiter aus. Vom "Stein des Anstoßes" zum "Knochen an dem zwei Hunde zerren", vom "Katz und Maus Spiel" bis zur  "Unüberwindbaren Wand zwischen den Liebenden" - der Ausschärfung des Konflikts folgte immer die Frage 'Was tut weh?' Die Teilnehmer gingen auf eine dramatische Reise von einem Extrem ins andere und manchmal auch wieder zurück. Dabei überwanden sie Widerstände - manchmal in sich selbst. Am Ende hatten es die Teilnehmer geschafft: Sie haben das dramatische Konfliktpotenzial in ihrem Plot entdeckt, ihre Figuren wütend und hilflos sein, aber über sich hinauswachsen lassen und eine Drehbuchszene geschrieben, die filmisch und vor allem erzählenswert ist, manchmal komisch, aber immer dramatisch.


Trickreich und ständig in Bewegung

Hannover, November 2011

Trickfilme laden zur Bewegung ein und die beiden Animationsfilmer Sandra Schießl und Sören Wendt aus Hamburg richteten die Party dazu aus: Im November brachten sie den beiden Gruppen der Qualifizierung TASCHENGELDKINO die Geheimnisse des Trickfilms näher. Nach einer gemeinsamen Einführung mit Filmbeispielen aus der eigenen Trickfilmkiste gaben die beiden einen Überblick über die Möglichkeiten der Animation. Dann ging es ans Selbermachen, Experimentieren, Ausprobieren: Besonders die sogenannte Pixilation - das Filmen von Personen in Einzelbildern – hatte es den Dozenten angetan. Schritt für Schritt, Klick für Klick. Die Konzentration der Teilnehmer beim 'Dreh' wurde mit bewegenden Bildern belohnt. Das schnelle Wechselspiel zwischen Aktion und anschließendem Betrachten der entstandenen Filmsequenzen setzte sich dann auch in den entstandenen kurzen Stop-Motion-Filmen der Teilnehmer fort. Vielfältig waren die Ideen und kreativ die Herangehensweisen an die Umsetzung derselben. Die beiden Dozenten konnten Tipps und Tricks beitragen. Dabei stellten sie die Prinzipien der Animation in den Mittelpunkt, damit die Illusion der Figuren und Welten auch nahezu perfekt wurden: Da ist das einsame grüne Männchen, dass zurück auf seinen Heimatplaneten fliegen will und erkennen muss, dass seine Rakete nicht so will wie es selbst. Da sind die Kekse, die ihrer Dose entfliehen und einen Ausflug machen wollen, doch einer kommt leider nicht zurück und wird mit Genuss verspeist. Da ist die Lovestory der Gummistiefel und die tragische Geschichte des verlassenen Schuhs, der sich am Ende aus dem Fenster stürzt. Zwar fuhr ein rotes Auto aus Papier gegen die Wand, aber verletzt wurde niemand und so wurde das Seminar zu einem erfrischenden, in dem die Teilnehmer Spiel- und Experimentierfreude bewiesen.


"Ich knete das Thema so lange, bis ich es durchdrungen habe."

Wolfenbüttel, Juli 2011

Die diesjährigen Sommerferien starteten die Lehrerinnen und Lehrer der 2. Runde TASCHENGELDKINO in Wolfenbüttel mit einem Dokumentarfilmseminar. Ali Samadi-Ahadi aus Köln hat die Teilnehmer auf eine Reise in die Welt des Dokumentarfilms mitgenommen, mit viel Einfühlungsvermögen, philosophischem Exkurs und jeder Menge Praxistipps im Gepäck. Neben einer Reihe von Filmausschnitten aus Dokumentarfilmen ganz unterschiedlicher Machart und divergierenden Stils führte Ali Samadi die Teilnehmer an das Genre heran: Welche Haltung hat der Regissseur? Welche Richtung gibt er damit seinem Film? Was macht die Situation mit mir? Was macht das Thema mit mir? Wie verändert es sich in der Situation des Filmemachens?

Der Diskurs ging über weite Strecken um die Frage, was ein Dokumentarfilm eigentlich ist. "Ausgangspunkt für einen Dokumentarfilm ist ein wahrhaftig stattgefundenes Ereignis, doch Dokumentarfilme sind nicht objektiv, das ist nicht schlimm, jeder Mensch, der etwas tut, tut es auf subjektiver Ebene." Ausgehend von der These, dass der Dokumentarfilm die Bürde der objektiven Wahrheit nicht tragen kann, hatten die Teilnehmer die Aufgabe einen Dokfilm zum Thema 'Lüge-Wahrheit-Wahrhaftigkeit' zu drehen. Nach eingehender Recherche, erstem Drehkonzept und einer Einweisung in die Grundlagen der Bildgestaltung und in Interviewtechniken gingen die Filmgruppen in die Innenstadt Wolfenbüttel. Doch erst beim Schnitt verdichtete sich die Dramaturgie der einzelnen Filme. Auch hier sind sie dem Hinweis des Dozenten auf den Grund gegangen: "Nicht den Verstand der Menschen erreichen, sondern seine Emotionen." Die Abende wurden wieder sehr lang und arbeitsintensiv. Neben acht fertigen Filmen stand die Reflexion eines Arbeitsprozesses und die Revision eines Genres, das allzu gern verkannt wird.

Am Ende des Seminars waren alle wie 'durchgeknetet', ferienreif, stolz auf das eigene Tun und froh, an den Erfahrungen des Dozenten teilhaben zu können.


Auf in eine neue Runde

Wolfenbüttel, März 2011

Die Qualifizierungsmaßnahme TASCHENGELDKINO startet in eine zweite Runde. Die Anmeldezahlen übertrafen die des vorhergehenden Durchgangs, insgesamt 18 Lehrerinnen und Lehrer wurden aus mehr als 60 Bewerbern ausgewählt, darunter 15 aus Niedersachsen. In einer bunten Mischung der Schularten, -stufen und Fächerkombinationen trafen die Kollegen Anfang März in der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel erstmals zusammen. Dabei sorgte Fred Steinbach, Produzent aus Frankfurt, für die nötigen Hintergrundinformationen rund ums Filmset und räumte mit Klischees auf. Der Regieassistent holt nicht den Kaffee, doch was macht er dann? Aufbau der Filmcrew, Organisation der Filmproduktion, Zeit- und Kostenaufwände, Fred Steinbach durchleuchtete die Strukturen und regte zum Selbermachen an: Anhand einer filmpraktischen Aufgabe durchlebten die Teilnehmer alle Phasen der Produktion. Kreativ am Drehbuch gearbeitet, herzlich beim Dreh gelacht und Haare raufend das Schnittprogramm durchlitten stellten die Teilnehmer neun Kurzfilme in rasenden 1 1/2 Tagen fertig. Mit technischem Know How stand Uwe Plasger, Medienpädagogischer Berater im Medienzentrum der Region Hannover (MZRH), der Gruppe in allen Bereichen schnell, kompetent und erfrischend unkompliziert zur Seite.


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Termine

1. Arbeitsphase

10. - 12. März 2011

 

2. Arbeitsphase

7. - 9. Juli 2011

 

3. Arbeitsphase

17. - 19. September 2011

 

4. Arbeitsphase

24. - 27. November 2011

 

5. Arbeitsphase

8. - 10. Dezember 2011

 

6. Arbeitsphase

2. - 4. Februar 2012

 

7. Arbeitsphase

1. - 3. März 2012