TASCHENGELDKINO 2012/2013

Nichts ist niemals nichts.

Wolfenbüttel, Mai 2013

Der Ton im Film weckt Assoziationen, lässt den Zuschauer Dinge hören, die er im Bild nicht sieht. So muss Stille ebenso erzählt werden wie Zeit. Dass der Ton im Film die Bildebene ergänzt und interpretiert, machten die beiden Dozenten Janne von Busse, freie Tonmeisterin, und Olaf Mierau, Postproduction Soundsupervisor und Musicsupervisor aus Berlin, den Teilnehmern der dritten Runde TASCHENGELDKINO anhand von Film- und Hörbeispielen deutlich. Werden Bilder intellektuell verarbeitet, definieren Töne die subcutane Emotionalität des Films. Die Wechselwirkungen von O-Ton, Atmo und Filmmusik wurden ebenso erörtert wie die dramaturgische Klanggestaltung in Bezug zur Montage der Bilder. Der Theorie standen praktische Tonaufnahmen gegenüber, die in unterschiedlichen Aufgabenstellungen durchgeführt wurden. Dabei waren auch die für den Schülerfilm oft typischen unzureichenden Rahmenbedingungen bewusst gesetzte Herausforderung in der Tonaufnahme sowie der Tonnachbearbeitung. Und so hatten die beiden Dozenten viele Tipps und Tricks für die Teinehmer parat wie sich große Fehler in der Aufnahme vermeiden und kleine beheben lassen, wie sich Außen- und Innenaufnahmen in der Zusammenstellung der Tontechnik unterscheiden. Was ist eine Punktschallquelle? Wie setze ich den Equalizer und den Kompresser ein? Wie baue ich ein 'Zelt' zur optimalen und separaten Tonaufnahme, z.B. für Synchronisationen oder Sprechtexte aus dem Off? Nach einem furiosen "Angelbalett" und Hinweisen zur Mirkophonierung übten sich die Teilnehmer im Spotting einer Filmmusik und gaben einem Film durch verschiedene Musiken bewusst unterschiedliche Wirkungsweisen.

Am Ende war klar: Hören ist individuell und das Schulen des selektiven Hörens und der eigenen emotionalen Sensitivität ist anstrengend, den richtigen Ton im Film 'zu treffen' ist schwierig, aber macht unglaublich viel Spaß! Es lohnt sich genau hinzuhören!


Gegen Langeweile hilft Bewegung

Wolfenbüttel, Februar 2013

Gegen Langeweile hilft Bewegung! - Mit diesem Ausruf brachte Michael Doering, Kameramann aus Berlin, die Teilnehmer der dritten Runde TSCHENGELDKINO gleich auf Kurs. Und so war das Seminar, das sich ganz der Bildgestaltung widmete, ein sehr bewegtes und bewegendes. Die Zeit – mal wieder knapp bemessen – löste sich auf in die Einzelteile der Parameter einer Filmproduktion. Erläutert und beispielhaft an Filmausschnitten präsentiert, spannte Michael Doering den Bogen von der Wirkung der Einstellungsgrößen und Perspektiven, zur Frage nach dem Genre und dem Thema des Film, über den dramaturgischen Stellenwert einzelner Szenen und der Funktion des Tons. Dass die Vorbereitung eines Film seine halbe Produktion ist, daran ließ der Dozent keinen Zweifel, als er sich sehr ausführlich der Frage nach den Möglichkeiten einer Szenenauflösung mithin deren Darstellung in einem Storyboard widmete. Alles ist eine Frage der Kommunikation: Bilder transportieren Emotionen und Informationen, das Storyboard ist dabei nur ein Bezugswert, der alle Beteiligten angemessen darüber sprechen lässt. Nach einer kniffligen Übungsaufgabe zur Achssprungproblematik und Kamerastandpunkten, ging es am Abend mit der Erprobung von Lichtarten und Lichtgestaltung weiter. Die Teilnehmer machten sich daran, diesen weiteren bildgestalterischen Aspekt in kleinen praktischen Lichtsetzungsübungen umzusetzen. Neben der theoretischen Auseinandersetzung stand jedoch im Zentrum des Seminars die Auflösung und der Dreh einer vorgegebenen Drehbuchszene in Kleingruppen. Dabei konnten die Filmteams auf professionelles Equipment wie Kran und Dolly zurückgreifen oder wurden erfinderisch auf der Suche nach dem geeignetem Gefährt für eine Kamerafahrt. Nach dem Schnitt des Materials lagen vier Kurzfilme vor, die nicht nur die Impulse der vorangegangen Seminartage widerspiegelten, sondern auch zeigten: Langeweile sieht anders aus!


"Es ist alles schon erzählt worden, nur nicht von jedem."

Karl Valentin

Wolfenbüttel, November 2012

Was ist der Plot (m)einer Geschichte? Was will ich erzählen? Mit nicht weniger als dieser zentralen Frage startete Birgit Lehmann, Drehbuchautorin aus Frankfurt, das Drehbuchseminar in der Reihe TASCHENGELDKINO. Mit reichlich Filmmaterial im Gepäck erläuterte sie die klassische Drei-Akt-Theorie Syd Fields, stellte die Frage nach der ‚emotionalen Wunde’, und schickte die Teilnehmer auf eine Heldenreise, um ihre eigenen Geschichten zu entwickeln. Zur Figurentwicklung gab sie den Teilnehmern reichlich Übungen an die Hand und mithilfe von Drehbuchvorlagen wurde die Form des filmischen Schreibens erprobt. Was schließlich den Langfilm vom Kurzfilm unterscheidet, war Zentrum des letzten Teils des Seminars. Anhand der Sichtung einer Vielzahl von Kurzfilmen unterschiedlichen Genres stand die Suche nach Ideen im Vordergrund. Wie vermeide ich bei der Filmarbeit mit Jugendlichen Klischees? Wie sammle, sortiere und wähle ich Ideen aus? Am Ende des Seminars hatten die Teilnehmer reichlich Arbeitsmaterial im Gepäck und einen kompakten Einblick in das Thema Dramaturgie erhalten.


Die Kraft des Dokumentarfilms

Wolfenbüttel, September 2012

Mit viel Energie startete das zweite Seminar des dritten Durchgangs TASCHENGELDKINO. Oliver Hardt, Autor und Regisseur aus Frankfurt, durchleuchtete die kraftvollen Seiten und vielschichtigen Ausdrucksmöglichkeiten des Genres Dokumentarfilm. Ausgehend von der Frage - Wie finde ich einen richtigen Ton, einen richtigen Zugang zu meinem Thema? - näherte sich der Dozent den ersten Schritten der Recherche und filmischen Umsetzung eines dokumentarischen Themas. Der Dokumantarfilm kann Aspekte eines Themas nahebringen, nicht aber die Welt erklären, mithin ist er subjektiver angelegt als sein Ruf.

Situationen und Orte werden zu den Personen ausgewählt, die Kamera wirkt bis zur Inszenierung. Dabei zeigt sich der Standpunkt des Regisseurs in der Wahrhaftigkeit des Themas, nicht aber in der Abbildung der Wirklichkeit. Insofern ist die Auseinandersetzung mit dem dokumentarischen Blick immer eine Konfrontation mit den eigenen Erfahrungen und ein Kondensat des Zeitgeschehens.

Anhand seiner eigenen dokumentarischen Regiearbeit zeigte Oliver Hardt auf, was den Dokumentarfilm ausmacht: der Haltung des Regisseurs, seiner Beziehung zu den Protagonisten; der Dialektik zwischen Form und Inhalt; dem Einsatz der Kamera, die es ermöglicht Intensität zu erzeugen sowie der Montage als letzte reflektierende und dramaturgische Instanz.

Der Unterschied zwischen Fernseh- und Kinodokumentation wurde ebenso benannt wie die unterschiedlichen Erzählmöglichkeiten, der konzentrierten Nähe zwischen Regisseur und Protagonisten sowie der Möglichkeit einen Protagonisten auf die Reise zu schicken. Nach der ausführlichen Theorie und Filmbetrachtung konnten die Teilnehmer anhand einer ausgefeilten Aufgabe des Dozenten selbst erproben, wie sie als Regisseure ihre Protagonisten zu Wort kommen und ihre Geschichten erzählen lassen; Geschichten von alltäglichen Orten, die durch ihre Erzählweise einen besonderen Blick auf das Unbekannte im Gewöhnlichen werfen.

Mit viel Energie und bis tief in die Nacht arbeiteten die Teilnehmer an ihren Kurzdokus und stellten sich am kommenden Morgen dem Blick des Profis. Kurzweilig und engagiert war der Austausch der Beteiligten über ihre Filme und Oliver Hardt konnte auf qualitätsvolle Arbeitsergebnisse blicken.


Eine Minute «Tatort»

Wolfenbüttel, Juni/Juli 2012

Auftaktveranstaltung der 3. Runde der Qualifizierungsreihe TASCHENGELDKINO 2012/2013 - Film und Filmen in der Schule. Fred Steinbach, Produzent aus Frankfurt, führte die 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Alltag des Filmgeschäfts und des Filmemachens ein. Ausgehend von der Feststellung, dass das Filmemachen in der Schule ähnlichen Produktionsabläufen folgt wie das reale Filmgeschäft, wurde die Rolle des Produzenten hinterfragt, die Funktionen der Filmcrew herausgearbeitet, Genre erörtert. "Eine Minute «Tatort» kostet 15.000 Euro." (F.S.) Zwar stand den Teilnehmern ein Budget in dieser Größenordnung nicht zur Verfügung, trotzdem durchliefen sie anhand der gestellten Filmaufgabe in rasanten verbleibenden 1 1/2 Tagen alle Phasen einer Filmproduktion. Auch das verlorene Halbfinalspiel der Deutschen Nationalmannschaft konnte die Stimmung nicht trüben. Angespornt, die fehlende Zeit vom Vorabend aufzuholen, machten sich die vier Gruppen am zweiten Seminartag an die Drehbuchentwicklung, gefolgt von einer Einführung in die Kameratechnik durch Uwe Plasger, Medienpädagogischer Berater aus Hannover. Das Wolfenbütteler Wetter hielt sein Versprechen, so dass alle Storys trocken abgedreht werden konnten. Sehr intensiv war schließlich der Filmschnitt. Nach einer Einführung in das Schnittprogramm durch Uwe Plasger konnten insgesamt acht Kurzfilme geschnitten werden. Die Arbeitsatmosphäre war kreativ, konstruktiv und konzentriert. nach Fertigstellung der Filme folgte die 'Premiere'. Kritische Reflexion durch die Teilnehmer und Hinweise für die eigene Schulpraxis rundeten das Seminar ab. Hochmotiviert erwarten die Lehrerinnen und Lehrer nun das kommende Seminar im September: "Ich bin gedanklich immer noch bei der Fortbildung... waow war das gut." (P.T.)

Wir danken der Firma MAGIX AG für die Bereitstellung der Schnittsoftware für die beteiligten Lehrerinnen und Lehrer.


Arbeitsphasen

Arbeitsphase 1 • Erzählen in bewegten Bildern

Die dreidimensionale Realität im zweidimensionalen Abbild der Kamera darzustellen, stellt ebenso eine Herausforderung dar, wie aus den unendlichen Möglichkeiten der Filmsprache auszuwählen. Anhand kleiner praktischer Übungen gehen die Teilnehmer erste Schritte, im Umgang mit der Kamera, in der Auseinandersetzung mit filmsprachlichen Mitteln und mit der rechnergestützten Filmmontage. Erste Entwicklungsschritte einer Filmproduktion werden bedacht und geplant.

 

Arbeitsphase 2 • Der Dokumentarfilm

Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb des Genres „Dokumentation“ werden aufgezeigt, Aspekte der Dramaturgie und der besonderen Haltung des Regisseurs in den Fokus genommen. Mit mehr als einer Ideenskizze gehen die Teilnehmer an die Arbeit und erstellen vor Ort eine Dokumentation. Filmanalytische Aspekte und deren Methodik im Unterricht werden erarbeitet.

 

Arbeitsphase 3Kurzspielfilm – Bildgestaltung mit der Kamera

Nicht nur die technische Auseinandersetzung in der Handhabung mit der Kamera macht das gute Bild, sondern vielmehr der fotografische Blick des Kameramanns, der mit seinen bewegten Bildern eine eigene Film-Realität erschafft. Das Seminar gibt Antworten zu Fragen der Bildästhetik, der Wahrnehmung, Ausdrucksmöglichkeiten der Kamera. Im Forderung steht das praktische Tun, Filmbeispielen geben Einblick in die professionelle Umsetzung. Vor der Kamera wird der Darsteller Teil dieser Film-Realität. Die Teilnehmer erproben praktische Spielleiterübungen für die Anleitung von Schülern zum Spiel vor der Kamera.

 

Arbeitsphase 4 • Trickreich - Animationsfilm

Der Trickfilm vereint alle klassischen Aspekte des Filmemachens und fügt eine erfrischende Komponente hinzu – das Experiment. Bereits bei den Pionieren der Filmgeschichte gehörte das „Filmen mit Tricks“ zum selbst­verständlichen Handwerk. Schon sehr früh hat sich daraus der Animationsfilm als eigenständiges Genre mit diversen Spielarten entwickelt. Es werden verschiedene Tricktechniken vorgestellt und professionelle Arbeiten gezeigt. Die Teilnehmer stellen in Gruppen eigene Animationen und kurze Sequenzen in verschiedenen Techniken her. Eingebettet in diese Arbeitsphase ist die Zertifikatsvergabe.

 

Arbeitsphase 5Drehbuch und Dramaturgie

Der Kurzspielfilm ist bei Jugendlichen das beliebteste, aber es ist auch das anspruchsvollste Genre. Umso wichtiger ist eine durchdachte Dramaturgie. Daher wird diese in einer Drehbuchwerkstatt ausformuliert und die Erstellung einer Drehbuchszene erprobt. Gestalterische Elemente werden neben filmmotivischen und filmerzählerischen Aspekten mit bedacht. An Kurz- und Spielfilmen werden dramaturgische Instrumentarien erläutert.

 

Arbeitsphase 6 • Im Bild sein - Lichtgestaltung

Diese Projekteinheit widmet sich den technischen und gestalterischen Aspekten der Bildgestaltung und des Lichtsetzens bei Film- und Videoaufnahmen. Zunächst werden technische Grundlagen erläutert (u.a. Leuchten und Scheinwerfer, Folien, technische Geräte und Hilfsmittel), dann Aufgabenstellungen mit unterschiedlichen Lichtstimmungen konzeptionell erarbeitet und in die Praxis umgesetzt.

 

Arbeitsphase 7Cut und Postproduktion

Der Dreh ist vorbei, die entscheidende Phase der Postproduktion beginnt. Die Montage ist das Herzstück der filmischen Praxis. Hier lässt sich ein Film formen, weiterentwickeln, gar verändern. Ausdrucksmöglichkeiten der unterschiedlichen Montageverfahren werden analysiert und in der Erprobung digitaler Schnitttechniken umgesetzt. Welche Wechselwirkungen finden zwischen Bild und Ton/Musik statt? Aufnahmetechnik, Soundbearbeitung, Klang und Musikgestaltung sind Gestaltungsaspekte innerhalb des Bereichs der Nachvertonungen und bilden Ansatzpunkte für praktische Übungen.

 

Wir behalten uns vor, die Reihenfolge der einzelnen Arbeitsphasen aus organisatorischen Gründen zu variieren.

 

 

 

Anmeldung

Die sieben Phasen der Weiterbildung TASCHENGELDKINO 2012/2013 sind bereits ausgebucht.

Termine

1. Arbeitsphase

28. - 30. Juni 2012

 

2. Arbeitsphase

30. September - 2. Oktober 2012

 

3. Arbeitsphase

21. - 23. November 2012

 

4. Arbeitsphase

7. - 9. Februar 2013

 

5. Arbeitsphase

23. - 25. Mai 2013

 

6. Arbeitsphase

22. - 24. August 2013

 

7. Arbeitsphase

19. - 21. September 2013