Taschengeldkino - Film und Filmen in der Schule 2011/2012

"Als Autor fasst du immer auf die heiße Herdplatte."

Wolfenbüttel, Dezember 2011

Das heiße Herdplatten schmerzhaft sein können, weiß jeder; doch wie schmerzhaft das Schreiben von Drehbüchern sein kann, bekamen die Teilnehmer von TASCHENGELDKINO 2011/2012 reichlich zu spüren. Marc Meyer, Drehbuchautor aus Berlin, hat beim fünften Seminar tief in die brennende Schreibwunde gefasst. Sein Vermittlungsansatz wollte den Kern des Dramatischen treffen: Wo Schmerz ist, ist Drama. Anhand einer eigenen Idee arbeiteten die Teilnehmer einen Konflikt heraus und schärften diesen mit Marc Meyers Hilfe weiter aus. Vom "Stein des Anstoßes" zum "Knochen an dem zwei Hunde zerren", vom "Katz und Maus Spiel" bis zur  "Unüberwindbaren Wand zwischen den Liebenden" - der Ausschärfung des Konflikts folgte immer die Frage 'Was tut weh?' Die Teilnehmer gingen auf eine dramatische Reise von einem Extrem ins andere und manchmal auch wieder zurück. Dabei überwanden sie Widerstände - manchmal in sich selbst. Am Ende hatten es die Teilnehmer geschafft: Sie haben das dramatische Konfliktpotenzial in ihrem Plot entdeckt, ihre Figuren wütend und hilflos sein, aber über sich hinauswachsen lassen und eine Drehbuchszene geschrieben, die filmisch und vor allem erzählenswert ist, manchmal komisch, aber immer dramatisch.


Trickreich und ständig in Bewegung

Hannover, November 2011

Trickfilme laden zur Bewegung ein und die beiden Animationsfilmer Sandra Schießl und Sören Wendt aus Hamburg richteten die Party dazu aus: Im November brachten sie den beiden Gruppen der Qualifizierung TASCHENGELDKINO die Geheimnisse des Trickfilms näher. Nach einer gemeinsamen Einführung mit Filmbeispielen aus der eigenen Trickfilmkiste gaben die beiden einen Überblick über die Möglichkeiten der Animation. Dann ging es ans Selbermachen, Experimentieren, Ausprobieren: Besonders die sogenannte Pixilation - das Filmen von Personen in Einzelbildern – hatte es den Dozenten angetan. Schritt für Schritt, Klick für Klick. Die Konzentration der Teilnehmer beim 'Dreh' wurde mit bewegenden Bildern belohnt. Das schnelle Wechselspiel zwischen Aktion und anschließendem Betrachten der entstandenen Filmsequenzen setzte sich dann auch in den entstandenen kurzen Stop-Motion-Filmen der Teilnehmer fort. Vielfältig waren die Ideen und kreativ die Herangehensweisen an die Umsetzung derselben. Die beiden Dozenten konnten Tipps und Tricks beitragen. Dabei stellten sie die Prinzipien der Animation in den Mittelpunkt, damit die Illusion der Figuren und Welten auch nahezu perfekt wurden: Da ist das einsame grüne Männchen, dass zurück auf seinen Heimatplaneten fliegen will und erkennen muss, dass seine Rakete nicht so will wie es selbst. Da sind die Kekse, die ihrer Dose entfliehen und einen Ausflug machen wollen, doch einer kommt leider nicht zurück und wird mit Genuss verspeist. Da ist die Lovestory der Gummistiefel und die tragische Geschichte des verlassenen Schuhs, der sich am Ende aus dem Fenster stürzt. Zwar fuhr ein rotes Auto aus Papier gegen die Wand, aber verletzt wurde niemand und so wurde das Seminar zu einem erfrischenden, in dem die Teilnehmer Spiel- und Experimentierfreude bewiesen.


"Ich knete das Thema so lange, bis ich es durchdrungen habe."

Wolfenbüttel, Juli 2011

Die diesjährigen Sommerferien starteten die Lehrerinnen und Lehrer der 2. Runde TASCHENGELDKINO in Wolfenbüttel mit einem Dokumentarfilmseminar. Ali Samadi-Ahadi aus Köln hat die Teilnehmer auf eine Reise in die Welt des Dokumentarfilms mitgenommen, mit viel Einfühlungsvermögen, philosophischem Exkurs und jeder Menge Praxistipps im Gepäck. Neben einer Reihe von Filmausschnitten aus Dokumentarfilmen ganz unterschiedlicher Machart und divergierenden Stils führte Ali Samadi die Teilnehmer an das Genre heran: Welche Haltung hat der Regissseur? Welche Richtung gibt er damit seinem Film? Was macht die Situation mit mir? Was macht das Thema mit mir? Wie verändert es sich in der Situation des Filmemachens?

Der Diskurs ging über weite Strecken um die Frage, was ein Dokumentarfilm eigentlich ist. "Ausgangspunkt für einen Dokumentarfilm ist ein wahrhaftig stattgefundenes Ereignis, doch Dokumentarfilme sind nicht objektiv, das ist nicht schlimm, jeder Mensch, der etwas tut, tut es auf subjektiver Ebene." Ausgehend von der These, dass der Dokumentarfilm die Bürde der objektiven Wahrheit nicht tragen kann, hatten die Teilnehmer die Aufgabe einen Dokfilm zum Thema 'Lüge-Wahrheit-Wahrhaftigkeit' zu drehen. Nach eingehender Recherche, erstem Drehkonzept und einer Einweisung in die Grundlagen der Bildgestaltung und in Interviewtechniken gingen die Filmgruppen in die Innenstadt Wolfenbüttel. Doch erst beim Schnitt verdichtete sich die Dramaturgie der einzelnen Filme. Auch hier sind sie dem Hinweis des Dozenten auf den Grund gegangen: "Nicht den Verstand der Menschen erreichen, sondern seine Emotionen." Die Abende wurden wieder sehr lang und arbeitsintensiv. Neben acht fertigen Filmen stand die Reflexion eines Arbeitsprozesses und die Revision eines Genres, das allzu gern verkannt wird.

Am Ende des Seminars waren alle wie 'durchgeknetet', ferienreif, stolz auf das eigene Tun und froh, an den Erfahrungen des Dozenten teilhaben zu können.


Auf in eine neue Runde

Wolfenbüttel, März 2011

Die Qualifizierungsmaßnahme TASCHENGELDKINO startet in eine zweite Runde. Die Anmeldezahlen übertrafen die des vorhergehenden Durchgangs, insgesamt 18 Lehrerinnen und Lehrer wurden aus mehr als 60 Bewerbern ausgewählt, darunter 15 aus Niedersachsen. In einer bunten Mischung der Schularten, -stufen und Fächerkombinationen trafen die Kollegen Anfang März in der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel erstmals zusammen. Dabei sorgte Fred Steinbach, Produzent aus Frankfurt, für die nötigen Hintergrundinformationen rund ums Filmset und räumte mit Klischees auf. Der Regieassistent holt nicht den Kaffee, doch was macht er dann? Aufbau der Filmcrew, Organisation der Filmproduktion, Zeit- und Kostenaufwände, Fred Steinbach durchleuchtete die Strukturen und regte zum Selbermachen an: Anhand einer filmpraktischen Aufgabe durchlebten die Teilnehmer alle Phasen der Produktion. Kreativ am Drehbuch gearbeitet, herzlich beim Dreh gelacht und Haare raufend das Schnittprogramm durchlitten stellten die Teilnehmer neun Kurzfilme in rasenden 1 1/2 Tagen fertig. Mit technischem Know How stand Uwe Plasger, Medienpädagogischer Berater im Medienzentrum der Region Hannover (MZRH), der Gruppe in allen Bereichen schnell, kompetent und erfrischend unkompliziert zur Seite.


Arbeitsphasen

2011/2012

Arbeitsphase 1 • Erzählen in bewegten Bildern

Donnerstag, 10. bis Samstag, 12. März 2011

Die dreidimensionale Realität im zweidimensionalen Abbild der Kamera darzustellen, stellt ebenso eine Herausforderung dar, wie aus den unendlichen Möglichkeiten der Filmsprache auszuwählen. Anhand kleiner praktischer Übungen gehen die Teilnehmer erste Schritte, im Umgang mit der Kamera, in der Auseinandersetzung mit filmsprachlichen Mitteln und mit der rechnergestützten Filmmontage. Erste Entwicklungsschritte einer Filmproduktion werden bedacht und geplant.

 

Arbeitsphase 2 • Der Dokumentarfilm

Donnerstag, 7. bis Samstag, 9. Juli 2011

Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb des Genres „Dokumentation“ werden aufgezeigt, Aspekte der Dramaturgie und der besonderen Haltung des Regisseurs in den Fokus genommen. Mit mehr als einer Ideenskizze gehen die Teilnehmer an die Arbeit und erstellen vor Ort eine Dokumentation. Filmanalytische Aspekte und deren Methodik im Unterricht werden erarbeitet.

 

Arbeitsphase 3 • Drehbuch und Dramaturgie

Samstag, 17. bis Montag, 19. September 2011

Der Kurzspielfilm ist bei Jugendlichen das beliebteste, aber es ist auch das anspruchsvollste Genre. Umso wichtiger ist eine durchdachte Dramaturgie. Daher wird diese in einer Drehbuchwerkstatt ausformuliert und die Erstellung von Exposé, Treatment und Storyboard erprobt. Gestalterische Elemente (Bild- Licht- und Tongestaltung) werden neben filmmotivischen und filmerzählerischen Aspekten mit bedacht. An Kurz- und Spielfilmen (ausschnitthaft) werden filmanalytische Instrumentarien entwickelt.

 

Arbeitsphase 4 • Im Bild sein

Donnerstag, 24. bis Sonntag, 27. November 2011

Diese Projekteinheit widmet sich den technischen und gestalterischen Aspekten der Bildgestaltung und des Lichtsetzens bei Film- und Videoaufnahmen. Zunächst werden technische Grundlagen erläutert (u.a. Leuchten und Scheinwerfer, Folien, technische Geräte und Hilfsmittel), dann Aufgabenstellungen mit unterschiedlichen Lichtstimmungen konzeptionell erar- beitet und in die Praxis umgesetzt.

Dieses Seminar findet anlässlich des 11. Internationalen Film Festivals up-and-coming in Hannover statt.

Die Teilnahme am Festivalprogramm und ein Treffen der Teilnehmergruppe Taschengeldkino 2010/2011 ist geplant.

 

Arbeitsphase 5 • Der Kurzspielfilm

Donnerstag, 8. bis Samstag 10. Dezember 2011

Mit Schülerinnen und Schülern Kurzfilme machen, birgt eine ganz besondere Herausforderung: Die Inszenierung von Laiendarstellern. Szenische Übungen für das Spiel vor der Kame- ra stehen in dieser Einheit dabei ebenso im Blickpunkt, wie praktische Übungen zu den Kernfragen ‚Staging’ (Stellung und Bewegung des Schauspielers) und ‚Blocking’ (Stellung und Bewegung der Kamera).
Die Organisationsstruktur für die Planung der einzelnen Ent- wicklungsschritte von Schülerfilmproduktionen im Unterricht wird erarbeitet.

 

Arbeitsphase 6 • Cut und Postproduktion

Donnerstag, 2. bis Samstag 4. Februar 2012

Der Dreh ist vorbei, die entscheidende Phase der Postproduk- tion beginnt. Die Montage ist das Herzstück der filmischen Praxis. Hier lässt sich ein Film formen, weiterentwickeln, gar verändern. Ausdrucksmöglichkeiten der unterschiedlichen Montageverfahren werden analysiert und in der Erprobung digitaler Schnitttechniken umgesetzt. Welche Wechselwirkun- gen finden zwischen Bild und Ton/Musik statt? Aufnahme- technik, Soundbearbeitung, Klang und Musikgestaltung sind Gestaltungsaspekte innerhalb des Bereichs der Nachvertonun- gen und bilden Ansatzpunkte für praktische Übungen.

 

Arbeitsphase 7 Präsentation und Präsentationsportale

Donnerstag, 1. bis Samstag 3. März 2012

Handy, web 2.0, youtube: Der künstlerische Experimentalfilm und Ansätze des experimentellen Umgangs mit dem Film wer- den vorgestellt, Produktionsmittel und Präsentationsportale in den Blick genommen sowie Möglichkeiten für einen filmisch- künstlerischen und performativen Umgang eröffnet.

Anmeldung

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Termine

1. Arbeitsphase

10. - 12. März 2011

 

2. Arbeitsphase

7. - 9. Juli 2011

 

3. Arbeitsphase

17. - 19. September 2011

 

4. Arbeitsphase

24. - 27. November 2011

 

5. Arbeitsphase

8. - 10. Dezember 2011

 

6. Arbeitsphase

2. - 4. Februar 2012

 

7. Arbeitsphase

1. - 3. März 2012

TASCHENGELDKINO-Flyer-2011_2012.pdf