VIPER 2014

Videopitch-Wettbewerb beim up-and-coming FilmDialog 2014/2015

November 2014

Hanna Seidel und Joscha Thelosen werden für ihren Video-Pitch beim up-and-coming FilmDialog 14/15 mit dem Preis VIPER 2014 ausgezeichnet. Die Jury: Marieke Bittner (Produzentin / Weydemann Bros.), Henning Kunze (nordmedia), Sybille Schedwill (Schauspielerin), Fred Steinbach (Produzent), Martin Zimmermann (Produzent / Westside). Herzliche Glückwünsche! Für Hanna Seidel ist die Auszeichnung mit einem Coach für das gepitchte Filmprojekt 'REST IN PIZZA' durch das Film-und Medienbüro Niedersachsen verbunden. Joscha Thelosen wird für 'ADAM & EVE' durch den Produzenten Fred Steinbach (Frankfurt/M.) betreut werden.

VIPER ist der neue Pitching Preis von up-and-coming, verliehen beim up-and-coming FilmDialog - einem Crossover aus Kongress, Talentförderung und Talentbörse. Eingeladen waren 30 Filmtalente und 30 Produzenten, Entscheider und Lehrende von Hochschulen.



Zwischen den Welten

Der up-and-coming FilmDialog — Ziele | Inhalte | Ausblicke

28.-30.11.2014

Künstlerhaus Hannover

Beim up-and-coming FilmDialog am letzten Wochenende in Hannover ging es um nichts weniger, als eine Brücke zwischen zwei Welten zu bauen: Auf der einen Seite das seit über dreißig Jahren bestehende und ständig wachsende up-and-coming-Netzwerk mit Filmtalenten und Ausbildern im Nachwuchsbereich, auf der anderen Seite Vertreter der professionellen Film-Wirtschaft, also Produzenten und Förderer. Die ersten sollten die Scheu vor "denen da oben" verlieren, die zweiten ihr nachsichtiges Belächeln der vermeintlichen Hobby-Szene "da unten".

Ich war vom up-and-coming-Team engagiert, um beim Brückenschlag zu helfen, da ich mich durch Seminare an Schulen und meiner Tätigkeit als Drehbuchautor in beiden Welten ein wenig auskenne. Und so war ich gespannt wie ein Flitzebogen, ob das Konzept aufgehen würde.

Der erste Tag

Dreißig junge Filmetalente von 19 bis 30 Jahre waren geladen und fast ebenso viele sogenannte "Entscheider" aus der Branche. Den Freitagnachmittag und

-abend hatten wir mit Impulsreferaten, kleinen, demonstrativen  Dialogen zwischen Filmprofis und Vorstellungen von (teils internationalen) Förderkonzepten sowie Biografien der Filmtalente vollgestopft - ein minutiöser Zeitplan, der kaum zu schaffen war und auch noch zwanzig Minuten zu spät begann. Wir wurden nervös.

Zumal die "Dialoge" eher frontal geführt wurden, statt - wie der Veranstaltung angemessen - in die Reihen der Zuschauer getragen zu werden. Auch schienen die Filmtalente angesichts der gesammelten Berufserfahrung ihrer Gegenüber doch sehr eingeschüchtert. Und genau das hatten wir ja aufbrechen wollen!

Der Tag war zwar für junge Filmtalente eine Schatztruhe an Informationen und Möglichkeiten - aber die konzeptuelle Idee, die beiden Welten einander anzunähern, verkehrte sich ins Gegenteil: Ein paar der Produzenten wirkten genervt, weil sie zu viele der Angebote schon kannten, die Filmemacher blühten nur in den Pausen untereinander auf und verstummten während der Angebote. Natürlich war das Format ein Pilotprojekt, aber musste es deswegen unbedingt so zäh laufen?

Der zweite Tag

Doch dann kam der Samstag: Das "Speed-Pitching" brach alle Dämme. Jedes Filmtalent hatte drei Minuten Zeit, sein neustes Projekt einem einzelnen Gegenüber aus der Branche vorzustellen und bekam dann für zwei Minuten ein Feedback, bevor es auf den nächsten Stuhl zum nächsten Gegenüber weiterrücken musste. Den ganzen Vormittag herrschte ein Gesumme und Gebrumme wie in einem Bienenstock zur Ausflugszeit.

Und viel mehr als das: Es war für alle Teilnehmer gleich anstrengend, ob auf dieser oder jener Seite. Endlich hatten wir sie auf einer Ebene. Die Profis waren verblüfft, wie gut sich die Talente präsentierten, und die Talente waren verblüfft, wie viel Respekt sie in den Kommentaren bekamen.

Durch den gemeinsam durchgestandenen Marathon herrschte auf einmal eine ganz andere, viel herzlichere Stimmung, die sich bis zum Ende des FilmDialogs halten sollte. So kamen auch die nachmittäglichen Workshops gut an: Etwa 15 Filmtalente bekamen ein Training in Selbstdarstellung, die internationalen machten sich mit ein paar deutschen Teilnehmern Gedanken zu einem multinationalen Projekt, und der Rest arbeitete an einem Modell für eine Talentförderung der Zukunft. Dessen Präsentation sollte dann am Sonntag sein.

Am Abend gab es noch die (erstmalige) Verleihung der "VIPER 2014" in einer unterhaltsamen Veranstaltung: zehn junge Filmemacher hatten jeweils einen "Video-Pitch" ihres neusten Projekts vorbereitet - und standen nach dessen Präsentation noch kurz Rede und Antwort.

Die Bandbreite der Projekte ging dabei von Kurz-Doku über Experimental­film und Horrorkomödie, über Animationsserie und Drama bis zur Superhelden-Persiflage. Die Jury, bestehend aus den Produzenten Marieke Bittner (Weydemann Bros.), Martin Zimmermann (Westside) und Fred Steinbach (Listenwatchread) und der Schauspielerin Sybille Schedwill sowie Henning Kunze von der nordmedia, einigte sich auf zwei Gewinner: Hanna Seidel ("Rest in Pizza") und Joscha Thelosen ("Adam & Eve"). Beide bekamen als Gag einen "Hoodie" mit einer Viper auf dem Ärmel. Hanna Seidel gewann zusätzlich ein Coaching des Film- und Medienbüros Niedersachsen für ihr Projekt. Joscha Thelosen wird bereits gecoached. Der schöne Ausklang dieses schönen Tages fiel zu unserer vollsten Zufriedenheit aus. Puh.

Der dritte Tag

Am Sonntag gab es erst ein Resümee und viel Lob für die verschiedenen Pitching-Einheiten des Vortags, dann wurden die Workshops ausgewertet: Und quasi in letzter Minute schälte sich beim größten Workshop nicht nur ein Talentförderungsmodell heraus, sondern mehr und mehr ein ganzer Forderungskatalog: Verbesserungen, die mit der Ausbildung von Schülern im multimedialen Bereich beginnen, über die Früherkennung von Filmtalenten an Schulen und Unis führen und bei der Etablierung von mehr Plattformen für Kurzfilme enden. Plattformen, die dem Kurzfilm als eigenständiger Kunstform aber auch als Visitenkarte von Langfilmregisseuren gerecht werden.

Beim nächsten Mal - da waren sich alle einig - müssen auch Redakteure und Medienpolitiker zum FilmDialog geladen werden. Und am besten mit den Ergebnissen der diesjährigen Veranstaltung konfrontiert werden.

Fazit

Drei Dinge sind nach diesem anstrengenden und trotzdem unglaublich belebenden Wochenende sicher: Erstens brauchen die beiden Welten gar keine Brücke, denn es ist tatsächlich nur eine Welt ­- zu unterschiedlichen, fließend ineinander übergehenden  Zeiten. Damit alle das begreifen, muss es zweitens mehr Veranstaltung wie den FilmDialog geben - wie alle Teilnehmer am Ende einhellig forderten. Denn drittens hat der Dialog zwischen Filmtalenten und "Profis" gerade erst begonnen ...

Christoph Honegger, Drehbuchautor, Hannover